Guter Nahverkehr darf keine Frage des Wohnortes sein
VCD-Mobilitätscheck und ÖV-Atlas 2026: Große Angebotslücken auch in der Region Köln - am Beispiel des Kreis Euskirchen und in Weilerswist
Kreis Euskirchen / Weilerswist – Ob Bus und Bahn eine echte Alternative zum Auto sind, hängt vielerorts vom Wohnort ab. Das zeigen der VCD-Mobilitätscheck 2026 und der ÖV-Atlas 2026 von Agora Verkehrswende. Während der VCD die Erfahrungen und Erwartungen von Fahrgästen untersucht hat, bewertet der ÖV-Atlas anhand von Fahrplandaten, wie gut Wohnorte angebunden sind. Ein Blick auf den Kreis Euskirchen und die Gemeinde Weilerswist verdeutlicht den Handlungsbedarf.
Fahrgäste wollen bessere Verbindungen und mehr Zuverlässigkeit
An der bundesweiten, nicht repräsentativen Online-Befragung des VCD nahmen rund 7.500 Menschen teil. Nur 37,3 Prozent sind mit dem ÖPNV-Angebot in ihrer Region eher oder vollständig zufrieden; lediglich 35,9 Prozent halten Bus und Bahn für überwiegend pünktlich. Fast die Hälfte berichtet von verpassten Terminen oder Verspätungen durch Störungen im vergangenen Jahr.
Besonders wichtig sind den Befragten gute Erreichbarkeit und ein gutes Streckennetz (83,8 Prozent), ein dichter Takt (58,8 Prozent) und verlässliche Abfahrtszeiten (57,5 Prozent). Bezahlbare Ticketpreise folgen mit 48,3 Prozent. Mehr als 90 Prozent der befragten ÖPNV-Nutzenden würden bei einem besseren Angebot häufiger Bus und Bahn fahren.
Bespiel Kreis Euskirchen und Gemeinde Weilerswist: Durchschnitt verdeckt Lücken
Der ÖV-Atlas berücksichtigt unter anderem Haltestellenentfernungen, Abfahrtshäufigkeiten und Verkehrsmittel. Für den Kreis Euskirchen ergibt sich im Durchschnitt ein Gütewert von 3,76 (Klasse D). Dennoch leben 30,4 Prozent der rund 197.000 erfassten Menschen – etwa 60.000 Personen – in Gebieten der Klassen E und F oder ohne zugeordnete Güteklasse. Nur 16,6 Prozent erreichen die besten Klassen A und B.
In Weilerswist im Kreis Euskirchen liegt der durchschnittliche Gütewert bei 4,05 (ebenfalls Klasse D). Hier erreichen 7.806 von 18.652 erfassten Menschen, also 41,9 Prozent, kein Grundangebot der Klasse D oder besser. Rund 15 Prozent leben in Gebieten der Klassen A und B. Die Zahlen zeigen: Für die Bewertung kommt es auch auf die Anbindung einzelner Ortsteile und die Häufigkeit der Verbindungen an – nicht allein darauf, ob Bahn- oder Buslinien vorhanden sind.
VCD fordert eine Mobilitätsgarantie
Guter Nahverkehr ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe – etwa auf Wegen zur Schule, zur Arbeit, zum Arzt und zu Freizeitangeboten. Deshalb fordert der VCD eine bundesweite Mobilitätsgarantie: einen Stundentakt für Orte ab 200 Einwohnerinnen und Einwohnern, einen 30-Minuten-Takt auf regionalen Hauptachsen sowie mindestens einen Zehn-Minuten-Takt im urbanen Raum. Wo reguläre Linienverkehre nicht wirtschaftlich möglich sind, sollen flexible Angebote wie Rufbusse ergänzen.
Für den Kreis Euskirchen und Weilerswist sowie alle Kommunen in der Region Köln heißt das, Angebotslücken gezielt zu prüfen, Ortsteile besser anzubinden und Anschlüsse, Takte und Finanzierung dauerhaft zu sichern. Gute Mobilität darf weder vom Wohnort noch vom Besitz eines eigenen Autos abhängen.
Quellen: VCD-Mobilitätscheck 2026 „Wie gut sind Bus und Bahn?“/ Regionale Datengrundlage: ÖV-Atlas 2026, Datenanhang